Schlagwort: Schwesterchen

Festzeit

Alles fing ja am Dienstag mit der Höhle an.
Mein Lotterleben…
Oder: Mein aufregendes Leben… mein jetzt-gerade-super-schönes-Leben.
Seit dem war ich jeden Abend aus. Bin keinen Abend vor Mitternacht heimgekommen.
Am Mittwochabend habe ich Himmelstürmer getroffen in einer unserer beider Lieblins-Lokation. Am Donnerstag war ich mit FS-Mädel aus. Und gestern war ich auf einem Traditionsfest in einer benachbarten Stadt mit OEJ. Es war eine absolut geniale Sommernacht. Und ich trank mal wieder zu viel Wein.
Und heute, am Tag des wichtigen EM-Spiels, (mehr …)

Aufgekratzt am 22 Apr 16

Ich war mit Schwesterchen ein bisschen aus. So ein bisschen eine neue Lokation, die aufgemacht hat abchecken. Sehr gemütlich, sehr schummerig, sehr schmeichelhaft für den Teint einer Frau über 30. So lass ich mir das Gefallen.
Bevor ich mich auf machte zu dem Treffen, war ich wirklich am Schwanken. Und fragte mich selbst, weshalb ich nur am Vorabend diese Pläne für heute Abend geschmiedet hatte.
Jetzt bin ich total aufgekratzt und nichts ist mehr da von der Müdigkeit. Einge Stunden zuvor schwörte ich, sofort ins Bett zu fallen, sobald ich wieder zu Hause bin. Nun ist dieser Zeitpunkt gekommen und ich frage mich, ob ich überhaupt Schlaf finde und meine Vorhaben morgen in die Realität umsetzen werde.
Naja, ich nehme mir jetzt meine Roman-Triologie vor. Von dieser kann ich mich sowieso nur schlecht lösen. Und der einzige feste Termin, der absolut wahrnehmbar sein muß ist der Friseur. Ansonsten ist nichts so wichtig, dass es nicht auch am Montag oder sonst wann erledigt werden kann.
In diesem Falle wünsche ich mir und Euch einen guten Start in das Wochenende.

P.S.: Was ist denn Euer Termin an diesem Wochenende, der auf jedem Fall wahrgenommen werden muss und warum? Würde mich interessieren. Freue mich über Eure Kommis.

Und es lag Schnee… auch in meinem Herzen

Die Glocke läutete. Sie läutete laut in meinen Ohren.
Aber das lag wahrscheinlich auch daran, dass ich direkt unter dem Glockenturm stand.
Die Glocken begleiteten die Familie und Angehörige eines anderen verstorbenen zu dessen Grab.

Die Menschen versammelten sich. Es wurden immer mehr. Hände wurden geschüttelt. Menschen, an die ich mich nicht erinnern kann, die sich als mehr oder weniger enge Verwandte meines Opis aus seiner Heimat in Bayern ausgaben, sprachen mich an. Anscheinend erinnere ich sie an meine Mutter, als diese noch jünger war. Ich gab mir keine Mühe die Gesichter und Namen mir zu merken. War es ja doch fraglich, ob ich die Personen je wieder sehen würde.

Dann läutete die Glocke für meinen Opi. Exakt zur angesetzten Zeit. Und der Kloß in meinem Hals nahm zu.
Schweigend lief ich neben meinem Bruder, meinem Schwesterchen und dessen Freund in die Aussegnungshalle.
Es ist eine schöne Halle. Vorne, wo der Sarg aufgebahrt und dekoriert ist, und auch ein großes Bild von meinem Opi steht, ist sie lichtdurchflutet. Überall liegen Rosenblätter.
Links soll meine Omi und die Kinder von Opi mit deren Ehepartnern sitzen, also auch meine Eltern. Rechts, die ersten zwei Reihen sind für die Enkel reserviert.
Als ich die Reihe aufrutsche, umklammere ich meine rote Rosen, die ich trage so fest, dass ich einen Stiel abbreche.
Ich setze mich, betrachte den Sarg…. die Rosenblätter… den Marmorboden… das Blumengesteck… das Weihwasserbecken… die Menschen, die hereinströmen… und fühle mich zum ersten Mal so richtig endlos einsam… einfach nur einsam und alleine. So als wäre die Frau, die neben mir Platz  nimmt, nicht meine Schwester, so als wäre ich unter Fremden.

Das Lieblingslied meines Opis „Die Rose“ nahm mir die Luft.

Und als wir dem Sarg nachliefen, zu dem Grab… und der Trompeter dieses Lied spielte, waren meine Beine blei. Und trotzdem konnte ich mechanisch einen Schritt vor den Anderen setzen. Der Schee knirschte unter jedem Schritt… meine Wangen waren heiß von den Tränen, die automatisch und still und warm meine Wangen hinabrollten…

Die vielen Menschen, die kamen, waren höflich und ließen der Familie Platz vor dem Grab.

Der Sarg wurde von den Friedhofsdienern heruntergelassen, zu dem Lieblingslied meines Opi’s „die Rose“. Alle hielten den Liedtext und es hörte sich sehr schön an, wie so viele gemeinsam sangen. Aber es war so endgültig.
Ich zerquetschte die Stiele meiner Rosen. Und ich stand da… und ich stand da alleine.
Meine Schwester hatte ihren Freund, mein Vater meine Mutter, meine Oma ihre Tochter und ich stand da… und ich fühlte mich noch niemals so einsam… so unverbunden mit dieser ganzen Situation. Mein Herz war in einer eiskalten Hand…
Als ich schluchzte, kam zwar die Hand meines Vaters und zog mich zu sich an seine Brust und reichte mir ein Taschentuch. Aber es fühlte sich nicht warm an, ich fühlte mich nicht aufgehoben und geborgen… es fühlte sich verbogen und fremd an… mein Herz schlug einerseits so schnell und ich wunderte mich, wie es dies denn bewerkstelligen konnte, spürte ich doch so sehr diese eisige Klaue, welche es hart umklammerte… und um mich herum der Schnee auf dem Friedhof und die Klänge von „die Rose“.
Da lauschte ich dem Text und dachte mir, wie dieser doch passt. War das nicht paradox?

„Wenn Du denkst, Du bist verlassen
Und kein Weg führt aus der Nacht
Fängst Du an, die Welt zu hassen
Die nur and’re glücklich macht“

Mein Vater löste sich von mir… er ging zur Kondulenz an das Grab und ich stand da… ich sah nichts mehr richtig… nur noch schemenhaft.. und dann wurde ich sachte geschupst und meine Mutter nahm mich mit sich an die Hand und ging mit mir ans Grab… Meine zerquetschten Rosen warf ich hinein… und träufelte Weihwasser hinterher… Erde gleitete aus meiner Hand, rieselte nieder…
Und dann war es wirklich vorbei und mich zerrieß es… ich schaute auf den Schnee und blickte nicht hoch… ich wollte nicht hochblicken… wollte die Menschen um das Grab herum nicht sehen…wollte die Welt nicht sehen… wollte gar nicht da sein… und wollte auch nicht gesehen werden… deshalb hielt ich meinen Arm vor mein Gesicht und weinte in meinen Mantelärmel…mein Bruder und meine Mutter zogen mich weg aus der Sicht und setzten mich auf eine Bank…
Er selbst hat es nicht ausgehalten nach der Kondulenz und musste aus dem Friedhof raus… ich hörte seine Schritte auf dem Schnee, wie er raus rannte, zu dem nächsten Ausgang… weil er es auch spürte, und genauso wenig aushielt wie ich… dieses fremde Gefühl und dieses Gefühl in der Fremde zu sein.
Ich war Stein… ich konnte nicht hinter her… Ich war ja Fremd hier.

Menschen kamen an die Bank…. schüttelten meine Hand… drückten mich… stellten sich vor… als die Gesellen aus dem Männerchor von meinem Opi… als seine Meisterkollegen aus der Handwerkskammer… und so weiter… von Wildfremden wurde meine Wange gestreichelt… und trotzdem: ich fühlte mich fremd und einsam… ich sah mich um… blickte auf… der Friedhof sah in dem Schnee wunderschön aus… und jetzt, kamen Sonnenstrahlen heraus… und der Schnee glitzerte und die Blumenkränze fingen an zu strahlen…
Das Kreuz für meinen Opi war aufgestellt.
Der Friedhof leerte sich…

Meine Schwester und ihr Freund kamen zu mir… setzten sich auf die Bank neben mich.

Schwesterchen: „Warten wir noch ein bisschen, bis wir ins Stübchen gehen zum Essen?“
Ich nickte stumm.
Wir saßen einfach zu dritt da und schwiegen.

Eine Weile später kam mein Bruder… und sagte, sein Herz fühlt sich an, als würde darin Schnee liegen, so wie hier auf dem Friedhof.
Wir umarmten uns alle und gingen…

„…Dann vergiss nicht, an dem Zweig dort
Der im Schnee fast erfror
Blüht im Frühjahr eine Rose
So stark wie nie zuvor.“

sangen wir… zu viert… und ich muß sagen, es hörte sich auch nicht schlecht an. Unsere vier Stimmen harmonierten… und wir gingen in einer Viererkette Hand in Hand der Sonne entgegen zu dem „Stübchen“ das nur wenige Gehminuten vom Friedhof weg war und begannen die Rose wieder vorne… wir brauchten keinen Liedtext… Opi hat es oft genug uns vorgesungen.
Und in der Sonne flirrte Schneestaub in der Luft und glitzerte ganz schillernd… und ich drückte die Hand von meinem Bruder und flüsterte ihm ins Ohr, während er mit den Anderen weiter sang: „Schau mal.. Feenstaub..“ und mein Bruder drückte meine Hand zurück.

 

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Life Impression: Der Friedhof unserer Stadt

Video: Die Rose

Liebe ist wie wildes Wasser
Das sich durch Felsen drängt
Liebe ist so wie ein Messer
Das Dir im Herzen brennt
Sie ist süß, und sie ist bitter
Ein Sturmwind und ein Hauch
Für mich ist sie eine Rose
Für Dich ein Dornenstrauch

Wer nie weint und niemals trauert
Der weiß auch nichts vom Glück
Wer das sucht, was ewig dauert
Findet es im Augenblick
Wer nur nimmt, kann auch nicht geben
Und wer sein Leben lang
Immer Angst hat vor dem Sterben
Fängt nie zu Leben an

Wenn Du denkst, Du bist verlassen
Und kein Weg führt aus der Nacht
Fängst Du an, die Welt zu hassen
Die nur and’re glücklich macht
Dann vergiss nicht, an dem Zweig dort
Der im Schnee fast erfror
Blüht im Frühjahr eine Rose
So stark wie nie zuvor