Schlagwort: Gefühl

Frau-Lady-K-Februar-Rückblick

Produktwelt_Garten_Februar_708x360_daP

Tja… nun ist der Februar dahin. Und der erste Tag des März dämmerte heute.
Das schöne daran ist, dass der Frühling nun bald kommt.
Ich bin nämlich gar kein Winter-Mensch. Und deshalb halte ich meine Arme jetzt schon offen, um den Frühling bald umarmen zu können.
Der Februar war ein höchst-seltsamer Monat für mich.
Es sind Dinge passiert, welche mich das Gefühl bekommen lassen, als wäre ich aus dem Leben herausgenommen worden… aus meinem normalen Leben zumindest.
Das lag daran, dass der Februar schon damit begann, dass ich von meinem Wohn-Bundesland, durch 3 weitere Bundesländer der Republik reiste, jeden Tag an einen anderen Ort weilte, und dann wieder in mein Wohn-Bundesland zurückfuhr.
Diese Zeit war aufregend, aber auch schön.
Und dann bin ich krank zurückgefahren… und mein Opi starb an meinen ersten Tag des Krankseins.
Und dieses Mal hat es mich so niedergestreckt, wie schon seit 5 Jahren nicht mehr. Ich lag zwei Wochen flach. Die erste Woche konnte ich mich auch bedingt durch den Todesfall nie wirklich auskurieren. Ich hatte das Gefühl, dass ich alle Kraft für die Dinge sammelte, die da so passierten, wie z.B. die Beerdigung. An diesem Tag bin ich um acht Uhr abends total erschöpft ins Bett gefallen.
Bedingt durch die Reise in der ersten Februarwoche und dann durch die Trauer um meinen Opi mit dem zeitgleichen Niederliegen, ist es so, als hätte ich alle Rituale, die mir zuvor gut taten, gezwungenermaßen fallen gelassen.
Und das Kranksein hat mich sehr träge werden lassen.
Die letzte Woche war für mich im Spüren so, als ob ich mich wieder Schritt für Schritt in das Leben zurück kämpfen würde, in mein Leben meine ich.
Ich bin noch nicht ganz da, wo ich zuvor war. Aber es wird merklich besser.
Und ich habe mit dem Kranksein erneut wieder das Rauchen aufgehört.
Es sind immerhin nun 3 Wochen. Hierauf bin ich unglaublich stolz.
Im Moment ist es von der Haut her ganz schrecklich. Meine Haut entgiftet und ich habe wunderschöne Pickel 😉
Aber auch das wird besser.
Und ich habe im Februar wieder Kontakt zu Öko-Gise aufgenommen. Ich hatte seit Juli keinen Kontakt mehr zu ihr. Bewusst. Ich konnte nicht mehr mit ihr und ihrem unzufriedenen Verhalten. Sie weiß selbst nicht, was mit ihr war, sagte sie.
Auf jedem Fall haben wir uns gestern, an dem letzten Tag dieses Februars, zu einem ganz langen Frühstück in einem uhrigen Lokal bei uns in der Stadt getroffen.
Ich bin froh, wieder zu meiner langjährigen Freundin gefunden zu haben, bin aber auch froh, dass ich diese Monate des Abstands hatte.
Jetzt kommt erst mal der März… Ich bin gespannt was er bringt und hoffe er ist mir freundlicher gesinnt, als der vergange Monat.

Und es lag Schnee… auch in meinem Herzen

Die Glocke läutete. Sie läutete laut in meinen Ohren.
Aber das lag wahrscheinlich auch daran, dass ich direkt unter dem Glockenturm stand.
Die Glocken begleiteten die Familie und Angehörige eines anderen verstorbenen zu dessen Grab.

Die Menschen versammelten sich. Es wurden immer mehr. Hände wurden geschüttelt. Menschen, an die ich mich nicht erinnern kann, die sich als mehr oder weniger enge Verwandte meines Opis aus seiner Heimat in Bayern ausgaben, sprachen mich an. Anscheinend erinnere ich sie an meine Mutter, als diese noch jünger war. Ich gab mir keine Mühe die Gesichter und Namen mir zu merken. War es ja doch fraglich, ob ich die Personen je wieder sehen würde.

Dann läutete die Glocke für meinen Opi. Exakt zur angesetzten Zeit. Und der Kloß in meinem Hals nahm zu.
Schweigend lief ich neben meinem Bruder, meinem Schwesterchen und dessen Freund in die Aussegnungshalle.
Es ist eine schöne Halle. Vorne, wo der Sarg aufgebahrt und dekoriert ist, und auch ein großes Bild von meinem Opi steht, ist sie lichtdurchflutet. Überall liegen Rosenblätter.
Links soll meine Omi und die Kinder von Opi mit deren Ehepartnern sitzen, also auch meine Eltern. Rechts, die ersten zwei Reihen sind für die Enkel reserviert.
Als ich die Reihe aufrutsche, umklammere ich meine rote Rosen, die ich trage so fest, dass ich einen Stiel abbreche.
Ich setze mich, betrachte den Sarg…. die Rosenblätter… den Marmorboden… das Blumengesteck… das Weihwasserbecken… die Menschen, die hereinströmen… und fühle mich zum ersten Mal so richtig endlos einsam… einfach nur einsam und alleine. So als wäre die Frau, die neben mir Platz  nimmt, nicht meine Schwester, so als wäre ich unter Fremden.

Das Lieblingslied meines Opis „Die Rose“ nahm mir die Luft.

Und als wir dem Sarg nachliefen, zu dem Grab… und der Trompeter dieses Lied spielte, waren meine Beine blei. Und trotzdem konnte ich mechanisch einen Schritt vor den Anderen setzen. Der Schee knirschte unter jedem Schritt… meine Wangen waren heiß von den Tränen, die automatisch und still und warm meine Wangen hinabrollten…

Die vielen Menschen, die kamen, waren höflich und ließen der Familie Platz vor dem Grab.

Der Sarg wurde von den Friedhofsdienern heruntergelassen, zu dem Lieblingslied meines Opi’s „die Rose“. Alle hielten den Liedtext und es hörte sich sehr schön an, wie so viele gemeinsam sangen. Aber es war so endgültig.
Ich zerquetschte die Stiele meiner Rosen. Und ich stand da… und ich stand da alleine.
Meine Schwester hatte ihren Freund, mein Vater meine Mutter, meine Oma ihre Tochter und ich stand da… und ich fühlte mich noch niemals so einsam… so unverbunden mit dieser ganzen Situation. Mein Herz war in einer eiskalten Hand…
Als ich schluchzte, kam zwar die Hand meines Vaters und zog mich zu sich an seine Brust und reichte mir ein Taschentuch. Aber es fühlte sich nicht warm an, ich fühlte mich nicht aufgehoben und geborgen… es fühlte sich verbogen und fremd an… mein Herz schlug einerseits so schnell und ich wunderte mich, wie es dies denn bewerkstelligen konnte, spürte ich doch so sehr diese eisige Klaue, welche es hart umklammerte… und um mich herum der Schnee auf dem Friedhof und die Klänge von „die Rose“.
Da lauschte ich dem Text und dachte mir, wie dieser doch passt. War das nicht paradox?

„Wenn Du denkst, Du bist verlassen
Und kein Weg führt aus der Nacht
Fängst Du an, die Welt zu hassen
Die nur and’re glücklich macht“

Mein Vater löste sich von mir… er ging zur Kondulenz an das Grab und ich stand da… ich sah nichts mehr richtig… nur noch schemenhaft.. und dann wurde ich sachte geschupst und meine Mutter nahm mich mit sich an die Hand und ging mit mir ans Grab… Meine zerquetschten Rosen warf ich hinein… und träufelte Weihwasser hinterher… Erde gleitete aus meiner Hand, rieselte nieder…
Und dann war es wirklich vorbei und mich zerrieß es… ich schaute auf den Schnee und blickte nicht hoch… ich wollte nicht hochblicken… wollte die Menschen um das Grab herum nicht sehen…wollte die Welt nicht sehen… wollte gar nicht da sein… und wollte auch nicht gesehen werden… deshalb hielt ich meinen Arm vor mein Gesicht und weinte in meinen Mantelärmel…mein Bruder und meine Mutter zogen mich weg aus der Sicht und setzten mich auf eine Bank…
Er selbst hat es nicht ausgehalten nach der Kondulenz und musste aus dem Friedhof raus… ich hörte seine Schritte auf dem Schnee, wie er raus rannte, zu dem nächsten Ausgang… weil er es auch spürte, und genauso wenig aushielt wie ich… dieses fremde Gefühl und dieses Gefühl in der Fremde zu sein.
Ich war Stein… ich konnte nicht hinter her… Ich war ja Fremd hier.

Menschen kamen an die Bank…. schüttelten meine Hand… drückten mich… stellten sich vor… als die Gesellen aus dem Männerchor von meinem Opi… als seine Meisterkollegen aus der Handwerkskammer… und so weiter… von Wildfremden wurde meine Wange gestreichelt… und trotzdem: ich fühlte mich fremd und einsam… ich sah mich um… blickte auf… der Friedhof sah in dem Schnee wunderschön aus… und jetzt, kamen Sonnenstrahlen heraus… und der Schnee glitzerte und die Blumenkränze fingen an zu strahlen…
Das Kreuz für meinen Opi war aufgestellt.
Der Friedhof leerte sich…

Meine Schwester und ihr Freund kamen zu mir… setzten sich auf die Bank neben mich.

Schwesterchen: „Warten wir noch ein bisschen, bis wir ins Stübchen gehen zum Essen?“
Ich nickte stumm.
Wir saßen einfach zu dritt da und schwiegen.

Eine Weile später kam mein Bruder… und sagte, sein Herz fühlt sich an, als würde darin Schnee liegen, so wie hier auf dem Friedhof.
Wir umarmten uns alle und gingen…

„…Dann vergiss nicht, an dem Zweig dort
Der im Schnee fast erfror
Blüht im Frühjahr eine Rose
So stark wie nie zuvor.“

sangen wir… zu viert… und ich muß sagen, es hörte sich auch nicht schlecht an. Unsere vier Stimmen harmonierten… und wir gingen in einer Viererkette Hand in Hand der Sonne entgegen zu dem „Stübchen“ das nur wenige Gehminuten vom Friedhof weg war und begannen die Rose wieder vorne… wir brauchten keinen Liedtext… Opi hat es oft genug uns vorgesungen.
Und in der Sonne flirrte Schneestaub in der Luft und glitzerte ganz schillernd… und ich drückte die Hand von meinem Bruder und flüsterte ihm ins Ohr, während er mit den Anderen weiter sang: „Schau mal.. Feenstaub..“ und mein Bruder drückte meine Hand zurück.

 

66638347
Life Impression: Der Friedhof unserer Stadt

Video: Die Rose

Liebe ist wie wildes Wasser
Das sich durch Felsen drängt
Liebe ist so wie ein Messer
Das Dir im Herzen brennt
Sie ist süß, und sie ist bitter
Ein Sturmwind und ein Hauch
Für mich ist sie eine Rose
Für Dich ein Dornenstrauch

Wer nie weint und niemals trauert
Der weiß auch nichts vom Glück
Wer das sucht, was ewig dauert
Findet es im Augenblick
Wer nur nimmt, kann auch nicht geben
Und wer sein Leben lang
Immer Angst hat vor dem Sterben
Fängt nie zu Leben an

Wenn Du denkst, Du bist verlassen
Und kein Weg führt aus der Nacht
Fängst Du an, die Welt zu hassen
Die nur and’re glücklich macht
Dann vergiss nicht, an dem Zweig dort
Der im Schnee fast erfror
Blüht im Frühjahr eine Rose
So stark wie nie zuvor