Schlagwort: Gedanken

Handgeschriebenes wiedergegeben am 06 Mai 16

Ich schreibe zur Zeit viel per Hand.
Ich habe ein Notizbuch mit vier Fineliner in verschiedensten Farben auf meinem Nachtisch und entlade jeden Abend mein Hirn. Heute jedoch musste ich schon am frühen Abend schreiben. Ich musste nochmals durch meinen Tag bis zu diesem Punkt durchgehen, an welchen ich anfing zu schreiben:

FullSizeRender(1)06.05.16, Freitag = Brückentag

06:30 Uhr: aufstehen, bin von selbst aufgewacht. Sogar noch vor dem Wecker. Bad, Frühstücken, anziehen, Küchentisch aufräumen.

08:00 Uhr: Starte das Geschäftslaptop. Kontaktiere nach erfolglosen rumprobieren den ServiceDesk, weil mein Laufwerk nicht da ist. ServiceDesk macht rum, richtet es dann aber doch.

09:00 Uhr: Starte das Ausfüllen eines Fragenkatalogs für eine (Achtung Unwort!) Auschreibung. Ich klicke mich durch das Einkaufsportal des Anfragenden und bekomme eine Wut auf DirtyHarry und auf Sibli, weil diese die Sache niiiiiiiiieee mit der Genauigkeit betrachten, wie ich es tue und wie ich es erwarte. Ich versuche mich zu beruhigen und sage mir, dass ich eventuell zu genau bin. Ich muß mehr Laissez-faire üben.

09:45 Uhr: Das Einkaufportal mach mich wahnsinnig. Schon wieder ärgere ich mich. Das Gefühl ist stark. Ich stelle fest, das Gefühl Wut mag ich in mir nicht. Ich kontaktiere verbotenerweise unsere Hauptansprechpartnerin. Gemeinsam vereinbarten wir eine Lösung.

10:00 Uhr: Upload der Fragen. Sicherheitsmail an die Hauptansprechpartnerin.

10:10 Uhr: Gehe nochmals ins Bad und richte mich noch ein bisschen her.

10:25 Uhr: Mach mich auf (zu Fuß, soll mich ja viel bewegen) zur Kosmetikerin, die mich von einem ganz üblen Ferunkel am Kinn befreien soll.

10:45 Uhr: Kosmetikerin foltert mich. Anschließend sagte sie ich soll in die Apotheke und Zugsalbe kaufen.

11:20 Uhr: Ich bin bei der Stadtverwaltung. Ich möchte meinen neuen Personalausweis abholen. Die Schlange der Wartenden ist lang. Ich werde ungeduldig.

11:45 Uhr: Die Stadtverwaltung ist gegenüber einer meiner Lieblingslokation. Ich kann nicht widerstehen. Also gehe ich noch schnell zum Geldautomat um die Ecke und hole Bares, um mich dann in die Sonne zu setzen und in meiner Lieblingslokation ein vegetarisches Mittagsmenü und eine Kirschschorle zu bestellen. Das Mittagsmenü schmeckt wunderbar.

12:50 Uhr: Der Laden, vor dessen Schaufenster ich immer stand, wenn dieser geschlossen hat, fällt mir ins Auge. Ich gehe hinein. Ich kaufe eine schwarze, leichte und edle Sommerhose und diese mint-grüne Jeans, die ich schon so oft im Schaufenster betrachtete. Außerdem eine neue Geldbörse und einen Geburtstagsgutschein für Schwesterchen.

13:30 Uhr: Ich gehe in den Buchladen, weil ich ein Ausmalbuch für eine liebe Bekannte kaufen möchte. Sie wohnt weiter weg und ich habe Ihren Geburtstag vergessen. Im Buchladen verfalle ich in Sammlerrausch. Ich kaufe mir 2 schöne Notizbücher, mir auch ein Ausmalbuch und einen Roman. Im Hinterstübchen weiß ich, dass ich zuviel Geld schon wieder ausgebe. Ich unterdrücke dieses Wissen. Mein Sammlerrausch geht weiter, in dem ich einen Haufen kostenfreier Leseproben mitnehme. Ich setze mich an einen Tisch in der Buchhandlung und trinke zwei Tassen Kaffee, während ich in einem Buch über Upcycling blättere. Meine Gedanken bleiben nicht bei der Sache. Ich bin wie unkonzentriert.

14:50 Uhr: Ich packe meine Sachen und gehe in die Apotheke, um mir die Salbe zu holen. Die Apothekerin kennt meine Medikation seit der KH-Entlassung und meinte, mein Gesamtbild betrachtet, ich solle mich doch nochmals vom Arzt überprüfen lassen.

15:15 Uhr: Ich laufe nach Hause. Ich spüre ein widerliches stechen in meine linke Schulter hinein und mein linker Arm kribbelt. Mir wird schwindelig. Nur eine meiner üblichen Beschwerden. Durch das stetige Gehen auf den Nach-Hause-Weg wird das aber besser.

15:40 Uhr: Ich bin zu Hause und beschließe zur Post zu radeln, um  meine Retoure von meiner letzten Online-Bestellung abzuliefern. Im Briefkasten war ein Schreiben der Rentenversicherung, mit der Bitte an einer Studie über mein Krankheitsbild teilzunehmen, um die Rehaqualität sicher stellen zu können. Ich fülle den Fragebogen sofort aus und nehme diesen auch gleich mit zur Post.

16:00 Uhr: Post

16:05 Uhr: Ich merke, dass ich sehr unruhig bin. Fast schon nervös. Irgendwas brodelt in mir. Ich gehe zu der Terasse eines Lokals gegenüber der Post. Fast hätte ich nachgegeben und mir dort ein warmes Gericht oder einen großen Salat bestellt. Ich höre in mich hinein und stelle fest, dass das Gefühl in mir kein echter Hunger ist. Es ist was Anderes. Also bestelle ich lediglich einen frischgepressten O-Saft und ein Wasser. Meine nervösen Hände beschäftige ich damit, dass ich meine alte Geldbörse ausräume und die Neue ein.

16:45 Uhr: Ich radele nach Hause.

16:55 Uhr: Zu Hause setze ich mich auf die Vortreppe in die Sonne. Ich bin immernoch innerlich unruhig. Gedanken kreisen und finden doch nicht die Ursache. Ich stelle fest, ich treibe schon seit längerer Zeit regelrechte Wohnungsflucht. Um genau zu sein schon seit bald über einem Jahr. Ich kann fast nie gleich nach der Arbeit nach Hause. Ich trieb mich sehr oft dann noch bis ich müde war irgendwo rum. Ich beschließe wieder einmal den guten Vorsatz mich um meine Wohnung zu kümmern und mich mit ihr zu versöhnen.

17:05 Uhr: Obwohl ich vielleicht besser zur Ruhe kommen sollte, zumindest sagt dies der tobende Vulkan in mir, bringe ich noch einen Korb Wäsche in den Keller in die Waschküche, räume die gelaufene Maschine aus, befülle sie wieder. Räume den Trockner aus und befülle ihn. Streiche die Kleidung aus dem Trockner glatt. Ich bin zu nervös um mir vorzustellen, einfach…

17:25 Uhr: Die Unruhe macht mich fahrig. Ich weiß nicht, was ich als nächstes tun soll. Ich bin kopflos. Nach einigen hin und her setze ich mich nun schließlich hin und schreibe meinen Tag auf. Jetzt, während dem Schreiben, wird es besser. Ich werde mit jeder niedergeschriebener Tagesetappe ruhiger. Meine Kreativität wird gerade angeregt. Es kommen Bilder in meinen Kopf, was ich für mich in meiner Wohnung tun kann. Ich möchte auf jedem Fall einen Platz schaffen, der für Genuß, Kreativität und freie Entfaltung steht. An diesen Platz wird dann nicht gearbeitet, außer es wäre für ein Hobby. Keine Überweisungen, die ich tätigen soll, werden mich ablenken. Keine Stapel Unterlagen, die sortiert werden müssten, sollen dort in meinen Blick sein. Ein Platz der Muße! Jetzt um 17:55 Uhr ist das beschlossene Sache. Das ist es was mir in meiner Wohnung fehlt. Klare Plätze! Alles ist bei mir durcheinander in meiner Wohnung. Und in mir auch! Und eine Spülmaschine: die fehlt mir auch 🙂 Ich muss Soni fragen, wo sie ihre Kleine her hat. Unbedingt! Jetzt rufe ich noch T-Omi an. Und dann gibt es Abendessen, das ich zu Hause esse. Ich gehe nicht schon wieder aus.

10 Dinge

Goodfairytale hat mich nominiert, bzw. mich dazu angeleitet, mir Gedanken zu machen, über meine momentan 10 wichtigsten Dinge. Die Aufgabe lautet wie folgt: Wenn mir jemand 50.000€ und eine neue leere Wohnung gibt, mit der Erlaubnis 10 Dinge aus meinem alten Leben mitzunehmen incl. das … 10 Dinge weiterlesen

Werde ich auch mal so?

Meine Frau Mutter lässt mich mal wieder nachdenklich werden.
Sie hatte am Dienstag eine OP, da sie eine sogenannte Haglund-Ferse hatte, und weil diese nicht behandelt wurde ich irgendwas dann noch im Bein gerissen. Ganz habe ich das nicht gecheckt. Aber der Punkt ist, dass meine Mutter sich die letzten Jahre zum wahren Jammer-Monster entwickelt hat.
Extrem-Jammer.
Hyper-Jammer.
Jammer-Deluxe.
Jammer in seiner besten Form, sozusagen das Best-Practice des Jammerns.
Gestern z.B. war ich mit Chef auf einem Termin unterwegs und Mutter ballerte mein What’s-App voll.
Alle Nachrichten waren so ausgelegt, dass ich mich abends wirklich zusammenreißen musste, um nicht mal nachzufragen, was genau sie denn erwartet hätte, denn alles was sie mir schrieb, war für mich wenig überraschend. Meine Mutter präsentierte es aber so, wie wenn sie im höchsten Maße überrascht wäre. Aber sie wurde halt nun mal aufgeschnitten und genäht, da ziept es eben und man spurtet am nächsten Tag auch nicht in Bestzeit um den Block. Das ist nun mal so.
Heute habe ich dann aus pflichtbewusst-sein mal angerufen. Um halb neun, denn da kam ich erst von der Arbeit heim!
Das überraschte-Jammern ging in eine weitere Ausbau-Stufe. Ich habe dann irgendwann leider nur mit halben Ohr noch zugehört, weil ich auch schon wieder am Kofferpacken war. Und vor allem, hatte sie sowieso einen Gesprächsanteil von 95%. Sie war auch so drin, dass sie nicht einmal fragte: „Und bei Dir? Sonst alles klar?“
Nichts.
Mutter war in dieser unangenehmen Art und Weise in ihrer ganz eigenen Welt, in der es glaube ich niemand anders gibt, und es auch nicht um Feedback oder um Unterhaltung geht, sondern um Streuung. Informations-Streuung. Einfach nur das viel Reden, egal bei wem.

Die Beobachtung, dass meine Mutter in so etwas reinkommt, mache ich schon etwas länger.
Wenn es keinen wirklichen, wahren Grund gibt, wie z.B. jetzt eine aktuelle OP, dann bauscht sie furchtbar gerne Dinge auf. Sie ist immer der Sonderfall, hat immer das ganz Besondere und platziert es überall mit viel „Hach jeh“ bei Jedem, der ihr unter die Augen kommt. Wenn man mit meiner Mutter einen Tag verbringt und daneben steht, kann es sein, dass man dieselbe Story zehnmal hört, nicht weil sie es einem selbst erzählt, aber weil man Zeuge von zahlreichen Anrufen wird und die verdatterten anderen ihr-über-den-Weg-laufenden Personen trifft und beobachtet, die ungewollt das Unglaubliche hören. Ich habe das im Sommer durch, als ich mit meiner Mutter im Ikea war. Ich hab mir echt gedacht, ich werd nicht mehr.

Ich muss mir da echt was überlegen und mir ein Back-up schaffen. Jemand, der mir in aller Härte und wenn es sein muss auch zum wiederholten Male streng sagt, sollte ich mal nach Fünfzig so werden!