Spontane Auszeit mit Folge Wunscherweckung


Letztes Wochenende war ja bekanntlich ein langes Wochenende, worüber ich mich, wie wahrscheinlich der Rest von Deutschland super darüber freute. Ich dachte, ich würde schön an dem Wochenende ausspannen, meinen notwendigen Sport machen, mich schön bekochen usw. Ich war Freitag vor einer Woche dann auch abends dementsprechend echt durch. Meine Motivation was zu machen war auf dem Nullpunkt. Allerdings kam mir mein Hunger dazwischen. Eingekauft hatte ich noch nicht und es war 19 Uhr als ich zu Hause ankam. Es kam mir der Gedanke in den Sinn, dass wenn ich jetzt erst noch einkaufen gehe und dann auch noch danach erst mal koche und dies somit aufgrund des Zeitaufwandes ernsthaft mein Überleben gefährden könnte. Also rappelte ich mich auf und schrieb noch Jay, einem Bekannten, eine Whats-app, ob dieser mich denn zu einer meiner Lieblings-Lokation, dort wo ich meiner Meinung nach die beste Pizza-Tonno ever serviert bekomme, in der City begleiten möchte. Da dieser keine Zeit hatte, wurde noch Himmelstürmer angetrickert, der mich darauf aufmerksam machte, dass er sich auf der „Kunst-Nacht“ befindet. Das hatte ich gar nicht auf dem Schirm und null mitbekommen. Die Arbeitswoche hatte mich einfach fest im Griff, ich hatte keine Veranstaltungsinformationen aufgenommen. „Auch nicht schlecht!“ dachte ich mir… „Eventuell gehe ich auch noch ein paar Ausstellungslokations durch, mal schauen, wie mir ist, nach der Pizza Tonno.“ sprach ich zu meinem Selbst, das natürlich im Spiegel sofort antwortete: „Ach was? Du willst nach einem schönen Gläschen Wein und vollgefressen mit Pizza noch auf die Kunstnacht? So, wie Du Dich gerade fühlst und nur ausgeht, weil der Hunger Dich treibt, liegst Du doch um zehn Uhr spätestens in der Koje und machst keinen Zucken mehr.“ „Ach, halt die Klappe.“ entgegnete ich trotzig meinem Spiegelbild. „Jetzt schauen wir erst mal. Einfach mal alles auf mich zukommen lassen.“ Ich zog mir noch bequemere Kleidung an, Jeans und meine schwarz-goldenen Sneakers, ein einfaches schlichtes schwarzes Top und eine Sweat-Jacke darüber. Fertig. „Ich wollte ja eh nichts großes machen und auf der Kunstnacht läuft man viel draußen rum, da habe ich dann eh meine Jacke an, sieht keiner ob ich aufgemöbelt bin oder nicht.“ dachte ich mir. Außerdem hatte ich gar keinen Bock und auch zu viel Hunger, um jetzt mich noch groß aufzumotzen, braucht ja bei uns Frauen auch immer so seine Zeit, nämlich. Als ich die Stadt erreichte, stand ich auch schon vor der ersten Lokation der Kunstnacht. „Afrikanischer Raum“ stand dort. Es wurden Film-Installationen, Bandauftritte und afrikanisches Essen angeboten. Ich entschied mich spontan dafür meine Pizza Tonne sausen zu lassen, die bekomme ich immer. Aber meine Neugierde nach dem afrikanischen Essen war geweckt. Entschieden und umgesetzt. Am Eingang erwarb ich noch einen Button, der mir den Einritt zu allen Lokations der Kunstnacht ermöglichte, trat ein und wurde von einem gedämpften Licht, das von den Bildschirmen, die die Impressionen des Künstler wiedergaben, empfangen. Dazu spielte eine afrikanische Gruppe auf ihren Trommeln und hatten damit einen echt guten Sound drauf. Die Menschen wippten und wackelten zu den Trommelklängen. Ich ließ mir einen Teller mit dem super-leckeren afrikanischen Essen geben und gönnte mir ein Glas Sekt. Die Trommelklänge und das scharfe Essen mit dem Sekt weckten meine Lebensgeister. Das Erschöpfungsgefühl schwand schnell und ich spürte die erste Wirkung des Sekts. Die afrikanische Gruppe spielte noch 1,5 Stunden, und ich blieb und besuchte sogar danach nochmals 2 weitere Ausstellungsorte. Irgendwann war es halb zwölf nachts. Ich war angenehm benebelt von den ganzen Farben, Klängen und Eindrücken, die ich erhielt und beschloß nur noch auf einen kurzen Absacker in der Höhle vorbeizuschauen, außerdem konnte ich damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, denn die Höhle war ebenfalls ein Ausstellungsort. Ich trat in die Höhle ein, und war sofort geblendet von den bunten Lichtblitzen, mit denen die Ausstellungsstücke der Künstlerin immer wieder angeleuchtet wurden. Ich entdeckte einige bekannte Gesichter und setzte mich dazu. Ein seltsam-weltraum-anmutender Sound lief in den Räumlichkeiten. Irgendwie werde ich benebelt, von dem ganzen Lichtblitzen und dem Sound und diesem Halbdunklen-rötlichen-Schimmer, der mich zwischen den gleißenden Lichtblitzen umgibt. Ich bestelle mir bei der Bedienung, die jeden Stammgast namentlich kennt, ein großes Glas Wasser und einen Weißwein und unterhalte mich mit den Bekannten, die ebenfalls Stammgäste der Höhle sind. Irgendwann wird unser Gespräch von einer Gruppe von Männern unterbrochen. Ich werde auf Englisch angesprochen: „Is here still any place? May we sit down?“ Ich nickte und schob meine Jacke nach hinten auf der Bank, auf der ich saß. Auch die Anderen bei denen ich saß, rückten auf, so dass die vier Kameraden noch sich dazusetzen konnten. Irgendwann verwickelte der Mann, der mich nach einem Platz gefragt hatte in ein Gespräch. Ich erfuhr, dass er in London lebt, seine Mutter sei Französin und sein Vater Engländer und er besuche hier Freunde, die in der Stadt lebten. Wir unterhielten uns und die mir bekannten Stammgäste verabschiedeten sich, es war mittlerweile kurz vor ein Uhr Nachts, es zog immer mehr Gäste nach Hause. Ich blieb und unterhielt mich weiter mit dem Londoner und seinen drei Freunden. Die Unterhaltung wurde persönlicher, weg vom Small-Talk, hin zu privaten Themen. Mir wurde Wein ausgegeben. Der Londoner wurde charmanter. Weg von privaten Themen, hin zum berauschenden Flirt. Trotzdem spürte ich jetzt auf einmal meine vergangene Woche im Körper und beschloß aufzubrechen. Der Londoner und seine Freunde bezahlten ebenfalls und standen auf. Der Londoner bestand darauf, dass ich mit zu seinem Hotel komme, das ebenfalls in der Stadtmitte lag und somit sehr nah war, und er mir an der Rezeption ein Taxi kommen lassen wollte. Beruhigung, dass ich mich immer am Wochenende zu Fuß in der Stadt bewege und es gewohnt bin nachts nach Hause zu laufen und keine Angst habe (bei uns passiert nicht so rasend viel, was Kriminalität angeht), wurde nicht akzeptiert. Also begleitete ich ihn zu seinem Hotel. Wir unterhielten uns weiter und ich weiß nicht wie es kam, doch fand ich mich in dieser klaren Herbstnacht dann an den Lippen des Londoner wieder. Er schmeckte nach Wein und konnte unglaublich gut küssen. Ganz selbstverständlich fanden sich unsere Hände und schloßen sich ineinander und ohne, dass wir reden mussten, ging ich mit ihm in sein Hotel. Und blieb dort nicht nur über Nacht, ich blieb auch am Samstag, ich blieb am Sonntag, ich blieb am Montag. Ich rief am Dienstag im Büro an und nahm mir den Dienstag und den Mittwoch frei. Und ich blieb den Dienstag und ich blieb auch den Mittwoch. Seine Freunde, für die er angereist war, hat er nicht mehr gesehen. Wir blieben zu 70% im Bett, ließen uns Frühstück ins Zimmer bringen, verbrachten Stunden zusammen mit einem Schaumbad in der Badewanne des Hotels und waren einfach nur mit uns, bei uns. So entspannt war ich über mehrere Tage schon lange nicht mit einem einzigen Menschen zusammen, geschweige denn mit einem Mann. Die entspannte Atmosphäre kam daher, dass das Thema sich-verlieben oder Zukunft ganz klar schon alleine durch die Tatsache, dass wir nicht einmal im selben Land leben uns nicht belastete. Wir genossen einfach die Zeit und uns. Ich habe keine Ahnung was er beruflich macht, wir sprachen, wenn wir sprachen über andere Dinge, wichtigere Dinge… Man muß nicht wissen, mit was der Andere seinen Lebensunterhalt bestreitet, wenn es keinen Alltag geben wird in der Zukunft. Einmal ließ er vom Hotel meine Sachen holen inklusive meiner Unterwäsche, die ich sowieso seit Längerem nicht mehr trug und ließ alles waschen, damit wir zum Essen ausgehen konnten. Einmal waschen lassen reichte, ich war sowieso nur kurz bekleidet, wenn wir in ein Restaurant hin und wieder gingen. Zurück waren die Kleider schnell wieder überflüssig. Am Donnerstag morgen duschten wir noch einmal gemeinsam, er fuhr um 6 Uhr morgens zum Flughafen und ich in meine Wohnung. Ich streifte meine Sneakers ab, zog meinen Freizeitlook aus und legte mich kurz auf mein Bett. Meine Augen waren zur Decke gerichtet, doch ich war in Gedanken woanders. Einerseits spürte ich immer noch anhand des Muskelkaters in meinen Armen, an der Stelle an meiner Oberschenkel-Innenseite wo seine Hüfte lag, was ich die letzten Tage getan hatte. Und doch fühlte es sich unwirklich an. Es war so, als hätte ich einfach nur einen etwas versauten Traum gehabt, und das obwohl ich die blauen Flecken von seinen Bissen genau spürte. Ich fuhr über die blauen Stellen und spürte beim bloßen darüber streichen, wie der kleine zarte Kribbelschmerz durch meine Nervenbahnen blitzte. Ich stand auf, ging ins Bad und machte mich fertig, schminkte mich und zog mich bürotauglich an, setzte mich ins Auto und gestand mir selbst ein: Ich brauche das! Ich brauche Haut eines Anderen! Ich möchte berührt werden, ich will geküsst werden, ich will angefasst werden, gestreichelt werden, ich will im Arm gehalten werden und beim Aufwachen von einem Anderen gekuschelt werden! Ich möchte Gedanken, Vorstellungen und Träume von mir mit Jemanden teilen und gemeinsam realisieren. Ich gestehe: ich bin so weit. Ich will mich verlieben.

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