Ich möchte das Vergessen vergessen


Ich erwähnte ja schon einmal, dass ich mit meiner Medikamenteneinnahme meiner Oma Konkurrenz mache.
Diese schlagen definitiv auf mein Gedächtnis und meine Konzentrationsfähigkeit. Ich muß mir alles, wirklich alles aufschreiben. Und zwar so, dass es sichtbar ist.
In den Kalender meines Handy’s einzutragen reicht nicht um meine Erinnerungsvermögen der Termine und Vorhaben über Nacht bis zum nächsten morgen zu transportieren. Das liegt dann am Morgen als stumme, schwarze Spiegelfläche rum und das war es dann. Sollte ich in den Termin eine Erinnerung rein gemacht haben überrascht es mich dann. Ich denke mir dann bei den ersten Töne der Hinweismelodie: „Häh?! Hab ich eine Erinnerung im Handykalender?“ Tapse zum Handy und schaue auf das  glänzende Display, das mir eine Buchstabenreihe entgegenwirft und den Termin formt, mir die Uhrzeit anzeigt. Meistens denke ich mir dann: „Scheiße, Scheiße, Scheiße… das bringt jetzt den ganzen Plan für heute durcheinander!“ oder ich denke mir: „Scheiße! Scheiße! Scheiße! Ob ich es wohl noch rechtzeitig schaffe!“.
Deshalb trage ich wichtige Termine auch immer in meinen Kalender der im Bad hängt ein. Ja, ein Kalender im Bad. Ich finde das ist der optimale Platz. Denn hierher begebe ich mich in einem Zustand morgens der gut noch als halb komatös bezeichnet werden kann, und dann beim Zähneputzen (mittlerweile schon ein bisschen gesteigerte Aufnahmebereitschaft des Hirns) glotze ich da dann drauf und denke mir: „Hmhmmm… na gut. Heute steht XY und ED an…“  Und in 98% der Tage sollte es dann auch klappen.
Hin und wieder allerdings gibt es Dinge die vergaß ich einzutragen. So wie heute. Dieser Termin stand nur im Handy. Und es war kein Pflichttermin sondern sogar ein Wunschtermin von mir. Ein Termin, den ich schon lange wollte. Ein Termin für mich! Nicht einmal Wunschtermine kann ich mir merken. Ich wurde heute morgen daran erinnert. Um halb elf klingelte mein Handy und die nette Dame fragte mich: „Frau Lady K, haben Sie mich vergessen?“ Und ich dachte mir: „Scheiße! Scheiße! Scheiße! Flitzenkacke!!!“ Jetzt geht dieser schöne, von mir langersehnte Wunschtermin erst im Juli zur Realisation, weil im Juni bin ich ja auf Reha. Menno!
Genauso gibt es Dinge, die stehen weder im Handy noch im Kalender. Das sind Dinge, die ich so vorhabe. So wie zum Beispiel, als ich mir am Mittwochabend schon vornahm, dass ich bereits am Donnerstag diese blöden Fragen zu der (Achtung Unwort!) Ausschreibung ausarbeite und absende. Ich habe es vergessen! Ich vergaß es den ganzen Donnerstag! Einfach vergessen, dass es zu der (Unwort!) Ausschreibung noch was zu tun gibt! Abends, als ich gemütlich strickend auf dem Sofa saß, fiel es mir siedendheiß ein!
Ich habe dann um neun Abends noch an meinem Geschäftsrechner rumgeschraubt und kam nicht an die Unterlagen ran. Nach einer Stunde Selbstversuch gab ich dann auf.
Dennoch tauche schon seit ich zu Hause bin, und ich wieder den Alltag habe und lebe, solche Momente auf, in welchen ich mir denke, dass das nicht ich bin. Es ist schlimm für mich, mir zu denken: „Das bin nicht ich!“
Zuvor, vor dem Day-X (hierfür steht für mich der 08.02.16) wären mir dergleichen Situationen niemals untergekommen. Nun ja. Die 2,5 Wochen bis zu meinem besonderen Urlaub, auch genannt Reha, halte ich noch raus. In der Reha bin ich ja dann in einer festen Struktur, da kann nichts passieren. Und dannach werde ich hoffentlich so weit sein, dass die meisten der Medikamente dann langsam mal runtergefahren werden können. Und dann hört dieses schusselige, vergessliche, dieses Kopflose, diese nicht wissen was machen hoffentlich auf.

(Foto zum Blog: Avenue)

7 Gedanken zu “Ich möchte das Vergessen vergessen

    1. Morgens fünf Präperate, mittags 3, abends 5 und nachts 2. Reicht, oder? Und meine Oma ist aufgehoben, wenn Sie morgens 2 unterschiedliche für Ihren Blutdruck nimmt. Also kein heikler Vergleich sondern Realität.

  1. Liebe Kiara,
    du übertriffst mit der der Anzahl deiner Tabletten sogar mich.
    Ich wünsche dir, dass du bald einige davon absetzen kannst, dann
    wird sich hoffentlich die Watte im Kopf, die man davon bekommt wieder
    davonmachen.
    Alles Gute für dich.
    Lg Sadie

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