Rose kommt langsam auf die Beine


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Aber die zurückliegenden elf Tage hatten Roses Kräfte komplett aufgezehrt. Sie kam sich vor wie eine Lampe, in die jemand versehentlich ein Birne mit viel zu niedriger Wattzahl geschraubt hätte. Sie fühlte sich wie ausgeweidet.

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Zitat aus „Angsthauch“ Psychothriller von Julia Crouch

Sie saß immer noch in der Küche. Die Haare waren noch ganz struppelig, weil sie sich seit dem Aufstehen noch nicht die Mühe machte sie sich zu einem Zopf zusammen zu binden. Gerade erst hatte sie beschlossen sich nicht hinzulegen, sondern sich aufzuraffen ins Bad zu gehen, sich zu waschen und sich anzuziehen.
Sie zog an ihrer Zigarette und versuchte zu fühlen ob dieses seltsame Kopfgefühl langsam nachließ. Sie glaubte zu spüren, dass es weg ging.
In der Küche sah es aus, wie auf einem Kriegsschauplatz. Sie hatte sich einige Stunden zuvor einen Gemüse-Nudelauflauf zu mittag gemacht.
Thema Selbstversorgung, wie ihre behandelnde Ärtzin es nannte. „Hier, liebe Frau Doktor… es läuft alles am Schnürchen.“ kam sie nich umhin zu denken.
Sonntags verfiel sie öfters in diese Lethargie, die sie mit sich selber kämpfen ließ.
Und dabei mangelte es ihr wirklich nicht an Aufgaben und Pflichten. Für ihren Geschmack sogar zu viele Pflichten. Sie fand das Leben konnte oft wirklich unnachgiebig sein und sie hatte den leisen Verdacht, dass dies niemals enden würde.
Wenn sie im Geiste das aufzählte, was nur an diesem Sonntag auf sie wartet, summerte es wieder in ihrem Kopf.
Ein Tag reicht dafür niemals aus. Und dann wurde ihr ja immer von ihrer Ärtzin eingetrichtert, dass sie die Waage halten müsse. Die Waage zwischen Pflichterfüllung und dem Für-sich-etwas-tun. Somit wurde das Für-sich-etwas-tun automatisch auch zu einer Pflichterfüllung.
Es war nicht der erste Sonntag, an welchem sie für ihren Geschmack unendlich lange brauchte, um in die Gänge zu kommen. Und immer wieder Sonntags kam es ihr so vor, als stürzte diese Gefühl des ausgeweidet-seins auf sie herab.
Sie stand dann auf und obwohl sie ausgeschlafen hatte, fühlte sie sich schummrig.
Sie tapste in der Wohnung herum und versuchte sich zu sortieren. In ihrer Lethargie setzte sie immer auf ein oder zwei Tassen Kaffee, in der Hoffnung, diese würden ihr den nötigen Schwung geben, den während der Arbeitswoche vernachlässigten Haushalt nachzuholen. Oft fing sie dann an zu lesen, anstatt sich gleich an irgendetwas ran zu machen. Und verfiel damit in einen noch seltsameren Zustand. Zeit und Raum vergessend. Bis die Dämmerung einsetzte und sie abermals schmerzvoll daran erinnerte, dass sie wieder nichts wahres Zustande gebracht hatte… dass sie vielleicht mal wieder versagt hatte ein Leben zu führen, das sie als normal ansah… wieder einmal an einem Tag, wie unzählige Tage zuvor.

Und doch war sie heute trotz allem stolz auf sich. Das Buch lesen würde sie einfach egoistisch unter dem Für-sich-etwas-tun abhaken. Ob sie sich damit selbst belog, wusste sie ehrlich gesagt nicht. Aber fest stand, dass sie es liebte zu lesen… und wenn sie sich nur um Pflichten bemühte, würde keine Zeit dafür bleiben. Sie hatte sich außerdem etwas zu Essen zubereitet. Und Sie war in der Zwischenzeit gewaschen und angezogen. Jetzt war sie auch bereit etwas frische Luft zu schnappen und sich dann die Küche vorzunehmen. So nahm sie es sich wenigstens vor.
Sie fragte sich, ob diese halb-verschlafenen Etwas, dass sie regelmäßig am Wochenende – vor allem Sonntags darstellte – jemals einen Partner finden würde, der das auch nur annähernd so mit machen würde mit ihr. Sie wünschte sich sehr einen Partner an ihrer Seite und war bereit daran zu arbeiten. Aber sie hatte auch Angst davor. Eben aus den Gründen, dass sie sich vorstellen könnte, dass kaum jemand verstand, wie sehr sie an solchen Tage wie diesen Sonntag mit sich selbst kämpfte.
Trotz allem war sie voller Optimismus und fing an zu glauben, dass sie gar nicht so absonderlich war im Vergleich zu der restlichen arbeitenden Bevölkerung. Ja… allmählich fing sie an zu glauben, dass sie sogar „normal“ war. Belustigt und auch beflügelt von diesem Gedanken, zog sie sich ihre Boots und ihren Dufflecoat an und machte sie auf, um neu motiviert frische Luft zu schnappen. Und jetzt lächelte sie sogar…

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