158 2012| Mutter schafft es immer wieder…



Ja, sie schafft es immer wieder, mich total durcheinander zu bringen und mich aufzureiben. Mutter kann das so gut, wie kein anderer Mensch auf dieser Welt.

Ich war heute wieder bei Omi T. im Krankenhaus.
Heute hat sie das erste mal Suppe zum Mittagessen bekommen.
Eine kleine Schale, und von dieser hat sie sogar nur die Hälfte geschafft.
Sie hat auch ziemlich Angst vor der Zeit, die vor ihr liegt und sie wirkt depressiv.
Sie hat zu mir gesagt, dass sie keine Lust auf die Chemo hat, dass sie denkt wenn sie sterben soll, dann will sie auch einfach sterben.
Der Arzt hat ihr dann versucht klar zu machen, dass dies auch keine Alternative ist, da sterben mit Krebs ohne Behandlung ebenfalls kein schönes Sterben ist, sonder ein Sterben unter Drogen und Schmerzen.
Sie wirkt psychisch sehr labil und hat noch Schmerzen von der OP.
Ich habe ihr geraten sich einen Psycho-Onkologen zu suchen. Denn wenn die Psyche nicht mitmacht, wird sie es noch schwerer mit der Chemo haben. Psycho-Onkologie finde ich eine gute Sache und macht durchaus Sinn für mich.
Aber sie will nicht… in ihrem Alter gehe man nicht zu einem Seelenklempner… da gehen doch nur welche hin, die wirklich Probleme haben….
Hallo? Ich gehe auch jede Woche zu der Anderen!!!
"Ja bei Dir ist das ja was anderes, du hattest ja eine schlimme Zeit vor Deiner schweren OP."
Aha… alles klar, Omi…
Ich habe sie dann auch damit in Ruhe gelassen, weil ich gemerkt habe, es kommt nichts an sie ran. Also haben wir einfach nur so belanglos geredet.

Um zwei war ich dann zu Hause.
Dann hat Mutter mich angerufen und war total anstrengend.
Sie hat sich über Omi T. aufgeregt, weil diese zum Arzt wohl gesagt hat, dass meine Tante (sie ist angeheiratet, also die Frau von Omi T.’s Sohn und mein Onkel) zur Unterstützung benannt wurde und alles gemeinsam mit ihr und den Ärzten regelt.
Meine Mutter war ausser sich. Wie denn Omi nur könnte, sie sei ja schließlich ihre Tochter. Sie findet, dass eine Unverschämtheit usw.
Ich fand es total fies, dass sie ihren Frust bei mir ablässt.
Was erwartet sie denn von mir? Dass ich mich zwischen die Stühle setzte? Ganz bestimmt nicht.

Meine Mutter hatte mit Omi T. als ihre Mutter schon immer Probleme. Bildet sich ständig ein, dass Omi T. ihren Sohn ihr immer vorgezogen hätte und sie nie richtig geliebt hätte, bzw. meine Mutter anscheinend mit ihrer Mutter nie über Probleme sprechen könnte usw.
Aber ich finde, dass ist etwas, dass sie mit sich und ihrer Mutter klären muss – aber sie kann doch nicht mich da dazwischen stellen.
Dazu kommt, dass meine Mutter Eigenschaften hat, die nicht sehr unterstützend rüber kommen. Sie kann sehr hart und kalt sein. Fast schon befehlsmäßig, mit einem Verhalten, dass einen Glauben lässt, dass keine Fehltritte oder eigene Entscheidungen erlaubt sind.
Sie kann sehr verurteilend klingen und ist oft nicht verhandlungsbereit oder von ihrer harten Meinung abzubringen.
Vielleicht hat Omi T. deshalb meine Tante zu ihrer Unterstützung gewählt und den Arzt ihr gegenüber von seiner Schweigepflicht entbunden. Denn meine Tante ist ganz anders. Sie ist einfühlsam und ruhig und warm. Und sie wohnt nur 2 Minuten von Omi T. weg, wo hin gegen meine Mutter in einer anderen Stadt wohnt.
Meine Tante arbeitet auch nicht Vollzeit. Sie arbeitete zwei Vormittage die Woche und ist sonst die ganze Woche zu Hause.
Meine Mutter hat ihr Geschäft, in welches sie voll eingebunden ist. Sie könnte sich also auch gar nicht so um Omi T. kümmern, wie sie es vielleicht möchte.
Und Mutter hat ja jetzt nicht mal Omi T. jeden Tag besucht… also, wird sie das auch nicht mehrmals die Woche tun, wenn Omi T. die Chemo hat.
Tante soll auch zu weiteren Arztterminen mit und Omi T. unterstützen.

Das hat Omi T. bestimmt alles in ihren Überlegungen berücksichtig und bracht die Ruhe von Tante bestimmt mehr, als das aufbrausende Temperament von meiner Mutter.
Aber Mutter sieht es mal wieder nur als Angriff gegen sich. Sie sieht es total persönlich. Sie ist eifersüchtig auf meine Tante.

Mich hat das Gespräch mit Mutter ziemlich aufgeregt.
Wenn Omi T. besser drauf ist, dann versuche ich mal mit ihr zu reden, dass sie meiner Mutter doch ganz nüchtern und sachlich ihre Entscheidung begründen soll.

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