154 2011 | Damit ich es nicht vergesse…



Notiert für mich, damit ich es nicht vergesse:
Mein Gespräch mit meinem Vater, am Montag, 07.11.11 – ca. 10:30 Uhr bis 12:00 Uhr:

Ich habe ihm erzählt was bei mir so war. Und dass alles die innerhalb von wenigen Wochen geschah, von Anfang März bis Mitte März und dass dann das Unheil seinen Lauf nahm bis jetzt.

Dass ich seit November letzten Jahres im Geschäft viel Scheiße habe, mit seltsamen Gesprächen mit der Geschäftführung. Dass ich oft so ausgesaugt aus dieser Firma heimgekommen bin, dass ich so sehr ich wollte oft nichts mehr machen konnte, gar nichts. Dass Kollegen, die sehr fröhliche Menschen waren, auf einmal gehetzt und verbittert werden in dieser Firma.

Wie ich mich im Januar gefühlt habe, als meine Schilddrüsenstörung in einer Überfunktion war. Wie es sich angefühlt hat, als es dann abstürzte. Was ich aber zu dem Zeitpunkt nicht wusste, sondern ich fühlte mich einfach dann mental und körperlich schlecht. Meine Ärztin meinte, da die Schilddrüse Hormone ausschüttet, oder eben auch nicht dann, wären solche Patienten so lange das nicht behandelt wird, oder solange das Medikament nicht richtig eingestellt ist, oft immer am Rande einer Depression. Und dann hat mein Arzt so komische Theorien aufgestellt auch noch und ich hatte wirklich Angst was da alles rauskommt bei den Untersuchungen. Vielleicht habe ich mich da dann auch hineingesteigert.

Dass ich seit März das erste mal in meinem Leben richtig deftig im Dispo bin, und das abarbeite.

Dass ich mich versuche zu bewerben, und manchmal das Gefühl habe, es geht einfach nicht.

Dass als ich mit Mister zusammenkam und auch noch bis lange nach dem wir schon zusammen waren hyperperfekt sein wollte und im Grunde nie mit mir zufrieden war. Er ist einfach so perfekt aus meiner Sicht. Er hat seine Finanzen absolut im Griff, er hat seinen Haushalt absolut top akkurat im Griff, er sieht gut aus, er kleidet sich gut, er ist super intelligent, er hat seine eigene Wohnung, die er super toll eingerichtet hat, er hat einen super Job in einer zukunftsträchtigen Firma, er ist überall beliebt und und und. Und ich war echt bescheuert, aber ich dachte, ich muss auch so perfekt sein. Und dann wollte und wollte und wollte ich mit mir was weiß ich machen, und habe mir Sachen, die zu mir gehören nicht mehr erlaubt. Aber daran ist nicht Mister schuld. Daran bin ich selbst schuld. Ich war auch noch dumm genug nicht mit Mister darüber zu reden.

Dass auch im März meine Firma dann sich auf mich eingeschossen hat. Mich immer in Überfallgespräche verwickelt hat, in welchen in seltsamer Art und Weise Dinge abgefragt und Kontrollen abgehalten wurden.

Ich habe ihm erzählt, dass ich auch schon sofort zu beginn der Beziehung mich etwas gesträubt habe, meine Verliebtheit zuzulassen. Weil ich dort schon in mir spürte, dass ich mich so was von dolle in ihn verliebt hatte, dass es aber mal so was von unglaublich ist, dass ich so Angst hatte, dass es nichts wird. Oder dass ich mich vor lauter Verliebtheit in Sachen einlasse, die ich nicht möchte. Dazu habe ich nämlich geneigt. Damals habe ich mich selbst aufgegeben. Und dass ich mir geschworen habe, dass ich das nie mehr tue. Und dass ich dann teilweise voll auf den Egotrip war, um dies bei mir selbst durchzukriegen. Bescheuert, nicht? Dieser Egotrip hat Mister dann abgekriegt. Mein Vater meinte, das hört sich nach Selbstschutz an, und ich habe ihm dann entgegnet, dass ich nicht möchte, dass er mich in Schutz nimmt, und mich entschuldigt. Dass ich es einfach verkackt habe und so soll er es auch sehen.

Anstatt dass ich mich einfach hätte fallen lassen und es so kommen lassen hätte wie es gekommen wäre. Es passiert ja sowieso was passieren soll.

Ich bin in eine Spirale reingekommen.

Ich habe ihm erzählt, wie es war, als ich Ende März erfahren habe, dass ich sein Kuckucks-Kind bin. Ich habe mich zu der Zeit körperlich und mental nicht gut gefühlt, eben wie oben beschrieben, da dort meine Schilddrüse so gesponnen hat. Und dann so was. Es war so schlimm in dem Moment, es hat sich angefühlt wie wenn mir jemand so heftig in den Bauch schlägt, dass das Zwerchfell sich zusammenzieht und man dann durch den Schlag nicht mehr fähig ist zu atmen.

Das hat so weh getan, dass ich keinerlei Gefühle mehr bei mir auf diesen Fall hin zugelassen habe. Es geschah nicht bewusst, es geschah automatisch, aber ich war wenige Stunden danach eiskalt und leer diesbezüglich.

Das mit dem Dispo belastet mich immer noch, obwohl ich schon ein gutes Stück abgetragen habe. Aber 60% müssen noch.

Ich habe meinen Vater Beispiele erzählt, wie ich mit Mister geredet habe. Ich habe versucht den Tonfall nachzumachen und die Mimik.

Ich habe ihm erzählt, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben Probleme hatte mit mir unbekannten Menschen zu sprechen oder Angst hatte diesen zu begegnen. Z.B. an Misters Geburtstag. Das ist mir noch nie passiert. Ich war die, die in der Stadt beim Kaffetrinken einfach so mit dem unbekannten Kaffeegast neben mir gequatscht hat und diese Person dann auch nicht die Unterhaltung abbrachen, sonder die Unterhaltung mit mir toll fanden. Oder die, die im Buchladen angesprochen wird und auf einmal unterhält man sich über die Bücher usw. mit einem ganz fremden Menschen.

Ich habe auch gedacht, ich muss das Meiste mit mir selber ausmachen. Nur in starken Momenten oder in sehr tiefen Momenten konnte ich Mister einen Einblick geben. Sehr dumm! Aber ich wollte die neue Beziehung nicht gefährden in dem ich nur von Zeugs rede, dass mir komisch vor kommt an mir selbst oder das mich belastet. Und stattdessen habe ich es damit erst recht gefährdet. Mein Vater meinte, dass ihn das nicht wundert, und da hat es mich beinahe umgehauen. Und er meinte, dass wenn er nicht so jung gewesen wäre, würde er rückblickend vieles betreffend der Familie anders machen. Und er meinte, dass ja alle immer beim Arbeiten waren seit ich klein war, und dass ich sehr viel alleine war. Er nannte das Beispiel, dass er es jetzt in seinem Alter der Hammer nachträglich findet, dass ich unter der Woche immer alleine aufstehen musste mit Wecker, mich selbst fertig machen musste, selbst mir eine Schüssel Cornflakes machen musste und selber in den Kindergarten musste. [Er hat es selber gesagt! Es ist also keine Einbildung von mir, dass das so war als Kind!] Er meinte, ich hätte da schon tun müssen wie eine Erwachsene die zur Arbeit geht. Weil mein Vater schon in der Backstube stand und meine Mutter schon Stunden in einem der Bäckerläden. Und dass daher ja auch nie jemand da war, an dem ich sagen konnte wie was ist. Oder wenn etwas war, dass ich es da auch mit mir selbst ausmachen musste. Und er hat gemeint, ich hätte auch nie gejammert oder nie etwas gesagt habe. Und dass er so rückblickend es sich nicht vorstellen könnte, dass in einem kleinen Kind nichts vorgeht, dass es nichts beobachtet. Auch nachmittags nach dem Kindergarten um fünf Uhr, erzählte Vater, bin ich dann mit dem Stadtbus alleine in die Filiale immer gefahren, in der meine Mutter noch arbeitet und war dort bis zum Ladenschluss und bis der Laden fertig war. Dann hat meine Mutter mich nach Hause mitgenommen, und hatte auch keine Zeit, da sie sich um den Haushalt kümmerte und solche Dinge. Er meinte, das würde er heute nicht mehr so machen, aber er könne es nicht rückgängig machen. Er sagte auch, dass er es für sich selbst schlimm findet, wenn er daran denkt, dass er sich so abgeschottet hat, als meine Mutter anfing ihre Unzufriedenheit und Unsicherheit an meinem Bruder und an mir auszulassen. Und dass er denkt er hätte dazwischen gehen sollen. Auch wenn wir Prügel kassierten. Aber in dem Zeitpunkt des Geschehens war er defakto nicht vor Ort und er sagte, er hätte sich auch so abgeschottet, da er selbst aus der Schusslinie sich wahrscheinlich halten wollte.

Ich habe ihm dann gesagt, dass Mister meinte, ich sei noch nicht schlecht genug behandelt worden und dass ich hätte noch schlechter behandelt werden sollen.

Mein Vater fragte mich dann, ob ich Mister verzeihen könne. Ich sagte, dass ich ihn lieb habe, und dass ich ihm noch mehr verzeihen könne. Er wollte wissen ob Mister alles weiß. Ich meinte, die Grobstruktur auf jedem Fall. Vater meinte, dass es schwer wäre für einen jungen Mann, damit klar zu kommen. Für ihn wäre auch vieles schwer gewesen vor 20 Jahren. Und dass wenn Mister es ein bisschen versteht und rekapituliert, sich von selbst bei mir meldet. Dass er dann schon eins und eins zusammenzählen könne. Und wenn Mister es nicht tut, dass ich ihm das nachsehen solle.

Ich habe ihm dann weiter Beispiele genannt, was ich mit Mister so gemacht habe. Dass ich ja alles hatte, dass ich hätte glücklich sein sollen. Er war sehr schockiert und meinte, dass ich aber doch so nicht sei. Dass er mich immer so kennengelernt hat auch im Sprechen, dass er immer gemeint hat, ich sei speziell bedacht darauf niemanden zu verletzten. Und dass ich doch immer positiv war, und stolz auf mich. Und dass er deshalb auch so stolz auf mich gewesen sei, eben weil ich so war wie ich war.

Er meinte, ich sei schon immer ein Prinzessin gewesen, und dass er sich teilweise früher schon gewundert hätte, wie ich es immer geschafft hätte, egal wie kurz meine Eltern mich gehalten hätte, weil sie mit den Investitionen in den eigenen Betrieb eben auch sehr arg auf das Geld schauen mussten, dass ich meine Herzenswünsche realisiert und erhalten hätte. Er nannte mir ein Beispiel mit einem Dreirad. Das Lackschuhe Beispiel, an welches ich mich auch gut erinnere, wurde von ihm auch genannt. Bei seinen Anekdoten mussten wir Beide dann sogar lachen.

Er sagte, die Alarmglocken hätten schon viel früher schrillen sollen bei mir.

Er hat mich dann in Arm genommen und hat gemeint, ich solle das jetzt einfach als Chance sehen, dass er weiß, dass ich ein ganz lieber Mensch bin. Und dass ich jetzt einfach aufräumen soll in mir drin. Mein Vater sagte, dass ich mir das einfach alles gut merken sollte, und aufpassen solle, dass es nicht mehr wieder vorkommt

Er hat gemeint, er möchte nochmals ein Gespräch mit mir führen, über solche Dinge und wie er sie zu den Zeitpunkten erlebte und wie er es jetzt sieht.

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